Gastbeitrag von Sophie Mikosch

Wie unser kindergartenfreier Weg begann

Als unsere erste Tochter etwa dreieinhalb Jahre alt war, starteten wir – wie so viele Familien – optimistisch die Eingewöhnung im Waldkindergarten. Wir dachten, die Kindergartenzeit würde bestimmt eine tolle Erfahrung für sie werden. Doch schon kurz darauf zeigte sich, dass die Realität dort anders aussah als unsere Vorstellungen.

Dabei waren es nicht nur der Umgang der Erzieher mit den Kindern und einzelne Situationen, die uns zum Nachdenken brachten. Der Kindergartenbesuch veränderte auch unseren gesamten Familienalltag – und zwar leider nicht zum Positiven.

Plötzlich bestimmten Uhrzeiten unseren Morgen. Wir mussten zur Eile antreiben, um rechtzeitig zum Morgenkreis zu kommen. Unsere damals anderthalbjährige Tochter war traurig, dass ihre große Schwester vormittags nicht mehr da war. Und zur Abholzeit der Großen hielt die Kleine eigentlich ihren Mittagsschlaf.

Es wurde immer klarer: Dieser Weg passt nicht zu unserem Kind – und nicht zu unserer Familie.
Ich begann zu hinterfragen, was wir eigentlich als „normal“ ansehen. Und ob es wirklich das ist, was wir leben möchten.

Als wir uns im Gespräch mit den Erziehern zudem nicht verstanden fühlten und unsere Tochter selbst lieber wieder zu Hause bleiben wollte, trafen wir die Entscheidung, sie wieder vom Kindergarten abzumelden.

Es sprachen einfach viele Punkte dagegen.

Gemeinschaft statt Kindergarten

Nur wenige Wochen später gründete ich meine erste Eltern-Kind-Waldspielgruppe – und sie sollte uns noch viele Jahre begleiten.
Nach und nach wuchs unser Netzwerk an gleichgesinnten Familien. Ich hatte ein wunderbares Mütterteam zur gegenseitigen Unterstützung, wir waren Teil eines Familien-Gemeinschaftsgartens und genossen die kindergartenfreie Zeit sehr.

Gleichzeitig begegneten mir jedoch immer wieder Vorurteile und Unverständnis für unseren Weg. Auch in den kindergartenfreien Online-Gruppen tauchten dieselben Fragen immer wieder auf:

  • Wie ist das mit den Sozialkontakten?
  • Wird der Übergang in die Schule nicht schwieriger?
  • Können Kinder zu Hause überhaupt „richtig“ gefördert werden?

Und parallel sah ich so viele Eltern, die bereits während der Eingewöhnung frustriert waren – sich aber keinen alternativen Weg vorstellen konnten, weil Kindergarten gesellschaftlich fast als Pflicht gilt.

Ein Buch, das ich mir selbst gewünscht hätte

Als ich mich damals für ein kindergartenfreies Leben entschieden habe, hätte ich mir manchmal gewünscht, ein Buch aus der Zukunft in den Händen zu halten.
Eines, das mir sagt:

Ja, dieser Weg ist möglich.
Ja, er ist manchmal herausfordernd.
Doch ja – er lohnt sich.

Ich wollte gerne meine positiven Erfahrungen und Erkenntnisse mit anderen teilen. So entstand 2018 mein Buch „Kindergartenfrei in der Praxis. Wie du als Mutter Selbstbetreuung und Selbstverwirklichung unter einen Hut bringst“, ergänzt durch erste Erfahrungsberichte anderer Familien.

Ich schrieb es für zwei Gruppen von Müttern:

  • für diejenigen, die überlegen, oder sich wünschen kindergartenfrei zu leben, sich aber noch unsicher fühlen und viele Fragen haben
  • und für Mütter, die ihre Kinder bereits selbst betreuen und nach Impulsen suchen, um ihren Alltag leichter und stimmiger zu gestalten – etwa durch Vernetzung, Tagesstruktur, Zeit für sich oder berufliche Perspektiven

Warum es eine Neuauflage brauchte

Seit der ersten Veröffentlichung sind inzwischen viele Jahre vergangen.
Damals waren meine Töchter zwei und vier Jahre alt. Heute sind sie zehn und zwölf – und wir haben zusätzlich einen zweieinhalbjährigen Sohn.

Auch gesellschaftlich hat sich viel verändert. Kindergartenfreie und kitafreie Familien sind sichtbarer geworden und können sich dank Internet und sozialer Medien leichter vernetzen.

Vor allem aber habe ich inzwischen deutlich mehr Erfahrung gesammelt:
Meine Töchter haben den Übergang in die Schule erlebt – übrigens völlig problemlos.
Durch mein Buch, meine Online-Arbeit und die Organisation von Veranstaltungen wie den Kitafrei-Festivals habe ich in den letzten zehn Jahren engen Kontakt zu unzähligen kindergartenfreien Familien gehabt.

Parallel zur Selbstbetreuung habe ich mir ein Online-Business aufgebaut, das mir erlaubt, zeitlich und örtlich flexibel und selbstbestimmt zu arbeiten.

All das hat in mir den Wunsch entstehen lassen, mein Buch komplett zu überarbeiten, zu aktualisieren und zu erweitern.

Die Neuauflage 2025 ist gereift – genau wie ich selbst.

Vernetzung als Schlüssel

Was ich über all die Jahre immer wieder beobachtet habe:
Familien blühen auf, wenn sie sich nicht allein fühlen.

Deshalb spielt Vernetzung eine zentrale Rolle – im Buch genauso wie auf meiner Webseite Mütterimpulse. Dort findest du heute viele Möglichkeiten, mit anderen Familien in Kontakt zu kommen:

Was dich im Buch erwartet

„Kindergartenfrei in der Praxis“ ist kein ideologisches Plädoyer gegen den Kindergarten.
Es ist ein Praxisbuch für Familien, die ihren eigenen Weg gehen möchten.

Im Buch findest du:

  • ehrliche Einblicke in den Alltag kindergartenfreier Familien
  • konkrete Ideen für Struktur, Routinen, Vernetzung und Entlastung
  • Impulse zu Selbstfürsorge und beruflicher Selbstverwirklichung
  • Gedanken und Erfahrungsberichte zu Förderung und Schulübergang
  • Möglichkeiten, kindergartenfrei zu leben – auch bei begrenzten finanziellen Ressourcen
  • und viel Ermutigung, deinem eigenen Gefühl zu vertrauen

Mir war dabei besonders wichtig zu zeigen:
Es gibt nicht den einen richtigen kindergartenfreien Weg.
Aber es gibt viele stimmige Möglichkeiten.

Mehr Infos zur Neuauflage

Alle Informationen zur Neuauflage von „Kindergartenfrei in der Praxis“ findest du hier:
https://www.muetterimpulse.de/kindergartenfrei-buch/

Ich freue mich, wenn dieses Buch dich ein Stück auf deinem Weg begleitet.